2009 war DAS Jahr der Solarbranche. Volle Auftragsbücher und Rekordumsatz. Doch jetzt droht der Einbruch. Die Subventionen sinken und die Preise brechen ein, die ganze Branche gerät unter Druck. Nicht alle Unternehmen haben eine gute Chance, diese Krise zu überstehen.

Preisverfall als ungeahnter Wirtschaftsmotor

Eigentlich sollte schon 2009 der große Einsturz kommen, doch besonders in der zweiten Hälte des Jahres standen bei vielen Anbietern von Solaranlagen die Telefone nicht mehr still. Einige Firmen verbringen das gesamte Jahr 2010 damit, die Aufträge vom Vorjahr abzuarbeiten. Der Preisverfall von ca. 40 % im Durchschnitt hat die Auftragslage und damit die Situation für die Hersteller wider Erwarten verbessert. Investoren konnten jetzt mit ihren Dachkraftwerken Renditen von 10% und mehr erzielen, auch weil jede ins Netz eingespeiste Kilowattstunde mit bis zu 43 Cent vergütet wurde. Daher wollte jeder etwas vom Kuchen abhaben.

Mittlerweile sind jedoch die Subventionssummen dadurch soweit gesteigen, dass eine Diskussion aufkommt, die einige wohl gern vermieden hätten: 10,4 Milliarden Euro statt der erwarteten 2,4 Milliarden mussten gezahlt werden, was natürlich auch auf die Stromkunden zurückfällt. Daher fordern Politiker, wie der Umweltminister Norbert Röttgen, und Verbraucherschützer eine deutliche Senkung der Förderung.

Senkung der Einspeisevergütung

Nicht einig ist man sich, wie sehr die Einspeisevergütung gesenkt werden soll. Der Solarverband BSW hat dem Umweltminister eine Senkung von 15% vorgeschlagen. Das geht dem Energieexperten beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel, nicht weit genug. Schon für Mitte 2010 fordert er eine Absenkung um 30%, diese sei von den Ökounternehmen ohne Probleme zu verkraften. Noch ist nicht raus, wie sich die Bundesregierung entscheiden wird, alle hoffen jedoch auf eine schnelle Entscheidung, da die momentane Unsicherheit Investitionen ausbremst.

Holger Krawinkel fordert zusätzlich zu den Senkungen, dass die Solarlobby verlässliche Zahlen zum Wachstum meldet, damit die kommenden Kosten wirklich realitisch eingeschätzt werden können. Bisher waren die Pronosen sehr verhalten und lagen damit immer weit unter den tatsächlichen Werten. Statt 600 bis 700 Megawatt jährlich werden es wohl eher 10.000 bis 12.000 Megawatt sein.

Erfolg kann zum Kollaps führen

So schön dieser Erfolg auf der einen Seite scheint, so gefährlich kann er für die Branche werden. Bleibt es nämlich bei diesem Wachstumstempo erreicht man schon 2013 eine Leistung, die dem zweieinhalbfachen aller deutschen Atomkraftwerke entspricht. An Sommertagen könnten alle Haushalte in Deutschland mit Solarstrom versorgt werden. Spätestens dann würde wohl die Zwangsabnahme durch die Energieversorger wegfallen und der Markt bricht zusammen.

Doch momentan gibt es noch genug positive Nachrichten, über die man sich freut. So wird an einigen Orten in Deutschland per Solaranlage Strom erzeugt, der nicht mehr teurer ist, als der Strom vom Elektrizitätswerk. Solarstrom kann mit Haushaltsstrom ernsthaft konkurrieren! Zudem melden viele Solarunternehmen Rekordumsätze.

Für 2010 glauben viele, dass es so weiter geht, aber die Lage für die deutschen Hersteller ist nicht nur rosig. Da es durch die Einspeisevergütung wenig Erfolgsdruck für die Unternehmen gab, fehlt es in den jungen Unternehmen an optimierten Strukturen und professionellem Talentmanagement. Deutsche Hersteller sind zu teuer, wenig innovativ und zu sehr auf Deutschland beschränkt.

Das kann sich rächen, denn jetzt drängen Konkurrenten aus China oder Taiwan auf den Markt, die klare Kostenvorteile haben. Diese produzieren nicht nur wegen der niedrigen Löhne so günstig, sondern auch, weil sie modernste Anlagen nutzen. Daher mangelt es auch nicht, wie oft vermutet bei Produkten aus China, an der Qualität. Denn die Unternehmer dort wissen, dass sie nur mit hoher Qualität in Deutschland und Europa Fuß fassen können.

Globalisierung in der Solarwirtschaft

Viele deutsche Solarunternehmen lassen sich bereits die Einzelteile aus China anliefern, bauen diese zusammen und verkaufen das Ergebnis als “Made in Germany”. Vor einigen Jahren war das undenkbar, Deutschland war Vorreiter der Innovation im Solarbereich. Doch dann wurde nur noch viel produziert und nicht mehr weiterentwickelt. Zudem vertraute man komplett auf den deutschen Markt. Eine Strategie, die jetzt einiges Unglück bringen könnte. Die Nachfrage am deutschen Markt wird spürbar nachlassen und die Solarmärkte in Ländern wie Indien und Italien gewinnen an Bedeutung. Wer dort stark ist, kann auf Dauer mithalten, der Export der deutschen Unternehmen geht jedoch zurück. Laut einer Studie von “Photon Consulting” gibt es weltweit nur wenige große Solarunternehmen die mit ihrer derzeitigen Stragie zukunftsfähig sind.

Bei dieser Studie haben sich fünf Pfeiler herauskristallisiert, die für Unternehmen wichtig sind, um zukünfitig stark am Markt zu bleiben:

  • Umfangreiche Produktpalette
  • Breite Abdeckung der Wertschöpfungskette
  • Niedrige Kosten
  • Präsenz auf mehreren Märkten
  • Technologieführerschaft

Nur 20 Unternehmen weltweit sind so gut aufgestellt, dass diese die nächsten Jahre problemlos überleben werden. Die besten Unternehmen sind hierbei aus den USA (First Solar und Sunpower), aus China (Suntech) und aus Deutschland (Solarworld, SMA, Q-Cells). Auf den ersten Blick sieht es nicht schlecht aus für Deutschland, aber Q-Cells gilt als Wackelkandidat, seit die Krise 2009 der Firma deutlich zusetzte und ein radikaler Sparkurs mit vielen Entlassungen anstand.

SMA Solar hat solche Sorgen nicht, hier trumpft man zwar nicht mit niedrigen Kosten, dafür aber mit guten Innovationen auf. Man entwickelt nämlich kleine Wechselrichter, die den Gleichstrom der Solarzelle in Wechselstrom für die Steckdose umwandeln, und ist dabei so effektiv, dass die Geräte sogar in China lieber verbaut werden, als dortige Produkte.

Beim dritten großen Solarunternehmen aus Deutschland “Solarworld” musste man den Export im Vorjahr zwar verringern, aber das Unternehmen kann allein aufgrund seines guten Namens schon mehr für seine Produkte verlangen, als die Konkurrenz. Doch man will sich nicht allein auf der starken Marke ausruhen, sondern baute u.a. ein Werk in Südkorea.

Die Zukunft im Solarbereich spielt sich auf jeden Fall global ab, wer hier nicht mithält, bleibt zurück.

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